Der Islam und Wissenschaft: Von der Vormoderne bis zur Moderne

Technische Universität Berlin

Organisatorisches

Kurstyp
SE
Semester
WiSe 2020/21
Standort
MAR 0.007
SWS
2
Start
Rhythmus
wöchentlich
Tag
Di
Zeit
14-16
E-Mail
herlwein@mpiwg-berlin.mpg.de

Details

Gab es Wissenschaft oder Wissenschaften im vormodernen und im modernen Islam? Wenn ja, wie sahen diese aus? Welche Wissenschaftsdisziplinen gaben den Ton an und warum? Welche Wissenschaften waren konform mit dem Islam? Andersherum: Wieviel Islam steckte in den Wissenschaften selbst? Wie fassten die historischen Akteure Wissenschaft auf? Hauptziel des Seminars ist es, auf den Spuren der vormodernen Wissenschaften im islamischen Kontext zu wandeln und wissenschaftshistorische Fragestellungen hierfür nutzbar zu machen. Zunächst wollen wir diese Wissenschaften in ihrer Entstehung und Weiterentwicklung, sowie ihren Verzweigungen und Überlappungen in ihrem jeweiligen historischen Zusammenhang und spezifischen kulturellen Kontext untersuchen. Beispielsweise trugen religiös motivierte, Islam-interne Debatten zur Entstehung der Rechtswissenschaften bei, wohingegen die Philosophie ihren Einzug in den Kanon der islamischen Wissenschaften erst im Zuge der Übersetzungen antiker Texte fand. Ebenso werden wir uns wissenschaftsinternen Fragen widmen. Anhand von ausgewählten Wissenschaftszweigen (z.B. Astronomie und Mathematik; Medizin; Philosophie und Theologie) werden wir untersuchen, welche Methoden und Theorien Wissenschaft im vormodernen Islam als „Wissenschaft“ auswiesen. Ein weiterer Fokus des Kurses wird es sein nachzuvollziehen, welchen Einfluss wissenschaftliche Erfindungen, Errungenschaften und Texte vormoderner islamischer Akteure auf die Europäische Wissenschaft hatten und immer noch haben. Der Kurs wird mit einem Exkurs in die Moderne und der Frage enden, wie bestimmte Annahmen der modernen Wissenschaft von islamischen Akteuren aufgenommen und verwertet wurden. Beispielsweise entstand ein neues Genre von Korankommentaren im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert, das gemeinhin als „scientific commentary“ bezeichnet wird, das sich jedoch sowohl durch seine Ziele als auch methodologischen Annahmen von seinen Vorgängern deutlich absetzt.