Argumentationsformen und Beweisführung in vormodernen islamischen Wissenschaften

Technische Universität Berlin

Organisatorisches

Kurstyp
SE
Semester
SoSe 2021
SWS
2
Start
Rhythmus
wöchentlich
Tag
Di
Zeit
14-16
E-Mail
herlwein@mpiwg-berlin.mpg.de

Details

Was ist ein Beweis, und wie stellt man ihn an? Welche Arten von Argumentation gibt es, und was können sie leisten? Und was bedarf überhaupt eines Beweises oder des Arguments? In unserem Kurs wollen wir diesen Fragen im Kontext der vormodernen islamischen Wissenschaften (ca. 10.-14. Jh.) nachgehen, die in der Wissenschaftsgeschichte oft nur am Rande Betrachtung finden, aber eine reiche Tradition vorzuweisen haben, die nicht zuletzt maßgebend für die Entwicklung der Wissenschaften im christlichen Europa war. Vormoderne islamische Akteure machten nicht nur Gebrauch von verschiedenen Arten von Beweisen und Argumentationsformen, sondern stellten in ihren Werken auch Überlegungen zu Kriterien, Bedingungen und Gültigkeit an. Verschiedene Wissenschaftszweige bedurften in ihren Augen verschiedener Beweise und Argumentationsformen. Beispielsweise stritten unsere Akteure darüber, ob der Analogieschluss nur in den Rechtswissenschaften oder auch in der Theologie Gültigkeit beanspruchen könne und zur Geltung kommen solle – denn strebte nicht die Theologie nach Gewissheit, während die Rechtswissenschaften sich mit Wahrscheinlichkeit begnügten? Und wie verhalten sich Offenbarungsbeweise und Vernunftbeweise zueinander – was ist ihre jeweilige Autorität und wer sollte welche Beweisform verwenden? Wir werden uns diese Probleme und Fragen anhand ausgewählter Primär- und Sekundärliteratur erarbeiten. Wir werden uns dazu Bespiele aus verschiedenen Wissenschaftszweigen und Genres (z.B. Theologie, Philosophie, Rechtswissenschaften, Logik) ansehen. Um dies zu ermöglichen, wird die Bereitschaft, sich rege an der Besprechung der Texte zu beteiligen, vorausgesetzt.